wagnerkunstmanagement

Ali Schindehütte

Artikel aus dem Hamburger Abendblatt vom 8. Juni 2005

Bilder aus dem Lotsenhaus

Övelgönne: Albert Schindehütte lebt seit 30 Jahren in seinem "Dorf
in der Großstadt".

Von Nataly Bombeck

Er ist ein Kind vom Dorf. Aufgewachsen als Sohn eines Hausschlachters und Kraft-fahrers im nordhessischen Breitenbach (Schauenburg) genoß Albert Schindehütte (65) das Landleben. "Schon damals habe ich wie der Teufel gezeichnet, vor allem Tiere und Menschen", erzählt der Kalligraph, Zeichner und Grafiker. 1963 war Albert Schindehütte Mitgründer der Berliner Künstlergruppe Werkstatt Rixdorfer Drucke. In Kreuzberg hatte er mit den Künstlern Vennekamp, Fuchs, Waldschmidt und Bremer den traditionellen Buchdruck mit Bleilettern und Holzschnitten in künstlerischer Form wiederbelebt.

Seit rund 30 Jahren lebt "Ali", wie Albert Schindehütte von Freunden und Nachbarn genannt wird, in Övelgönne. "Mich lockte dieses Dorf in der Großstadt und weil hier meine große Liebe, das Frauenzimmer Bigs Möller, wohnte. Övelgönne ist eine Elbidylle und ein Traum für jeden Künstler", erklärt Albert Schindehütte in seiner blumig-ironischen Ausdrucksweise, weshalb er von einem Kritiker auch mal als ,Satiriker mit dem Kindergemüt" bezeichnet wurde.

Zum Ausdruck kommt dieses Talent in seiner neuen Ausstellung "Struwwelpeter" im Museum der Arbeit (ab 13. Juni). "Das sind ja etwas garstige Kindergeschichten - aber bei mir enden sie alle positiv oder haben einen gewissen Witz", sagt Schindehütte, dessen Schalk seine große Kunst-Sammlergemeinde erfreut. Besonders beliebt: sein handgeschriebenes Album "Die Oevelgönn'schen Kinder". Mit dem liebevoll gezeichneten Buch, mit Zeichnungen von Freundes- und Nachbarskindern, setzte Albert Schindehütte seiner Wahlheimat ein Denkmal.

Er selbst wohnt in einem typischen alten Lotsenhaus mit Vorgarten, ganz in der Nähe der Strandperle. Ein Schritt über den öffentlichen Weg - und Albert Schindehütte kann sich in seinen laubenartig angelegten Garten mit Blick auf die gegenüberliegenden Kaianlagen zurückziehen. Über eine Strickleiter erreicht er mühelos den Elbstrand.

Hier entstehen auch Ideen zu Motiven wie zum Beispiel die Illustrationen zu zwei Märchenbüchern oder eine Serie von Komponistenporträts. "Mein Nachbar ist der Dichter Peter Rühmkorf. Ich habe sein Katzenmärchen in 13 Kapiteln "Auf Wiedersehen in Kenilworth" illustriert. Ich mag die Verbindung zwischen Literatur und darstellender Kunst", sagt Albert Schindehütte und zeigt sein kleines Atelier im Hinterhof.

Davor stehen urige Gartenzwerge, wachsen Rosen und Hortensien aus Blumenkübeln. Drinnen liegen und hängen Berge von Zeichnungen, Radierungen, Lithographien und Holzschnitte. Ein riesiger Holzschnitt hängt sichtbar an der Außenwand des Hauses Elbchaussee 170 - es gehört einem Nachbarn und Sammler oberhalb Schindehüttes Haus. Weitere zieren Wände im Klubhaus des FC. St. Pauli, und 25 Originalzeichnungen zu Ringelnatz sind in Heinz Wehmanns Restaurant "Ö1", Elbchaussee 130, zu sehen.

"Schon mit 19 Jahren hatte ich meine erste Ausstellung in Kassel. Inzwischen mag man meine Bilder auch in der Schweiz, in Frankreich, Norwegen und Tschechien", sagt Albert Schindehütte, der häufig für seine Ausstellungen unterwegs ist. Dabei liegt ihm das Reisen eigentlich nicht. Er radelt höchstens mal in sein Zweit-Atelier nach Ottensen. Denn richtig wohl fühlt sich Ali Schindehütte eben nur im Dorf.